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Arbeitgebermacht. Theoretische Erweiterungen des Machtressourcenansatzes und empirische Perspektiven

Research in the sociology of work and industry has lacked a systematic analysis of employer power. Recent approaches are increasingly bringing this issue into focus, particularly the central importance of ownership and economic resources, as well as how changes in these factors shape and influence the strategic use of employer power. The workshop brings together theoretical and empirical perspectives to expand the power resources approach and generate new ideas for research and trade union practice.

Beschreibung des Workshops

In der arbeits- und industriesoziologischen Debatte ist eine heuristische Bestimmung und systematische Analyse von Arbeitgebermacht bislang weitgehend ausgeblieben. Während der Machtressourcenansatz für die Analyse von Lohnabhängigenmacht eine umfangreiche Heuristik bereitstellt, lässt sich eine vergleichbare konzeptionelle Ausarbeitung für die Arbeitgeberseite bislang nicht feststellen. Allerdings lassen sich seit einiger Zeit verschiedene Ansätze registrieren, die die Analyse von Arbeitgebermacht explizit in den Fokus rücken und auf eine entsprechende Erweiterung des Machtressourcenansatzes zielen. Diese Ansätze betonen, dass Arbeitgebermacht nicht nur auf betrieblichen Strategien oder organisationsbezogenen und institutionellen Ressourcen, sondern in hohem Maße auf eigentumsförmig verfassten Verfügungsmachtpositionen basiert. Während Lohnabhängigenmacht grundlegend auf der Herstellung von Organisationsmacht beruht, stellt das Eigentum an den Produktionsmitteln, d. h. ökonomische Macht, den Kern von Arbeitgebermacht dar. Veränderungen von Eigentumsformen, Finanzialisierungsprozesse und neue Unternehmens- und Governance-Modelle haben daher direkte Implikationen für die Konfiguration und Mobilisierung arbeitgeberseitiger Machtressourcen. Umgekehrt prägen diese Machtressourcen, wie Eigentumsordnungen konkret wirken, stabilisiert oder transformiert werden. Gleichzeitig zeigt sich in der empirischen Forschung ein verstärkter theoretischer Bedarf nach konzeptionellen Instrumenten zur Analyse arbeitgeberseitiger Machtressourcen. Arbeitskämpfe stoßen an ihre Grenzen, obwohl in den Betrieben ein hoher Organisierungsgrad besteht und zentrale Machtressourcen mobilisiert werden konnten, eben weil arbeitgeberseitige Machtressourcen (ökonomische, institutionelle, organisations- oder gesellschaftliche Macht) strategisch eingesetzt werden. Immer häufiger lassen sich zudem Formen offensiver Arbeitgeberstrategien beobachten, vom Austritt aus dem Flächentarifvertrag über die gezielte Schwächung betrieblicher Mitbestimmung bis hin zu aggressiven Union-Busting-Maßnahmen. Diese Entwicklungen unterstreichen die Notwendigkeit einer systematischen Heuristik von Arbeitgebermacht, die sowohl für die Analyse aktueller Konflikte als auch für die Entwicklung gewerkschaftlicher Gegenstrategien fruchtbar gemacht werden kann. Der Workshop soll verschiedene theoretische und empirische Ansätze zusammenbringen und die Perspektive einer theoretischen Erweiterung des Machtressourcenansatzes zur Analyse von Arbeitgebermacht diskutieren. Im Mittelpunkt steht die Verbindung eigentumstheoretischer und machtanalytischer Perspektiven auf Arbeitsbeziehungen, um arbeitgeberseitige Machtressourcen systematisch zu erfassen. Gleichzeitig wird erörtert, wie eine solche theoretische Erweiterung die empirische Forschung informieren und zur Entwicklung einer geeigneten Heuristik beitragen kann.

 

Programm

Donnerstag, 28. Mai 2026

Carl-Zeiss-Straße 3, Seminarraum 274

EVENING EVENT [IN ENGLISH]

18:00

Power Resources Approach revisited?

Jens Arnholtz (Kopenhagen)

Bjarke Refslund (Aalborg)

Stefan Schmalz (Jena)

Freitag, 29. Mai 2026

Carl-Zeiss-Straße 3, Seminarraum 308

9:00

Begrüßung

Stefan Schmalz (Jena)

THEORETISCHE ÜBERLEGUNGEN ZUR ARBEITGEBERMACHT

9:15

Was ist Arbeitgebermacht?

 Felix Syrovatka (Jena)

9:40

Kommentar und Diskussion

Sarah Nies (Göttingen)

10:30

Kaffeepause

11:00

Akteurszentrierte Erweiterung des Machtressourcenansatzes

 Jule Westerheide (Bochum)

Martin Lenzner (Bochum)

11:30

Kommentar und Diskussion

 Steffen Liebig (Jena)

12:00

Mittagspause

MACHTRESSOURCEN IN DER PRAXIS

13:00

Demobilisierungsmacht: Union Busting bei einem ostdeutschen Elektroautohersteller

Serife Erol (Jena)

Maria Neuhauss (Jena)

Sophie Steidel (Jena)

13:20

Kommentar und Diskussion

 Marcel Thiel (Berlin)

 

13:50

Amazon mit Arbeitgebermachtressourcen verstehen

Hans-Christian Stephan (DGB)

14:10

Kommentar und Diskussion

Verena Riedmiller (Organizi.ng)

14:40

Kaffeepause

15:00

Arbeitgebermacht im Hamburger Hafen: Akteure, Konflikte und die neue Rolle der Reedereien

Janina Puder (Cottbus)

15:20

Kommentar und Diskussion

 Anne Engelhardt (Bielefeld)

15:50

Arbeitgebermacht im öffentlichen Dienst

 Julia Dück (ver.di)

16:10

Kommentar und Diskussion

Simone Claar (Hannover)

WEITERE PLANUNG

16:40

Abschlussrunde und weitere Planung

17:15

Verabschiedung und Ende der Veranstaltung


Programm als PDF

 

Kontakt

Felix Syrovatka (f.syrovatka@fu-berlin.de)